Es gibt Momente im Leben, in denen man erkennt, dass die gewohnten Räume, in denen man gehört wurde, in denen Gedanken, Ideen und Fragen auf Resonanz stießen, nicht mehr existieren, und dass man plötzlich vor einer Leere steht, die zunächst bedrohlich wirken kann, weil man sich fragt: „Wohin mit dem, was noch lebt?“ – und genau in dieser Leere zeigt sich eine eigenartige Möglichkeit, die lange übersehen wurde: Vielleicht sucht man nach dem Ende der beruflichen Rollen gar nicht zuerst nach einer neuen Tätigkeit, sondern nach einem Ort, an dem Teile von einem selbst wieder sichtbar werden dürfen, die zuvor im Alltag, in Projekten, in Rollen verborgen blieben, und an dem man allmählich erkennt, wie viel von dem, was man denkt, fühlt und beobachtet, wert ist, beachtet zu werden.
Für mich selbst ist dieser Ort mein Blog Neugierig weiter, ein noch sehr junger Raum im digitalen Kosmos, der zugleich Versuch, Experiment und Provisorium ist, weil ich gerade erst dabei bin, meine eigene Stimme zu finden, meine Gedanken zu ordnen und Wege zu entdecken, wie man über das, was einen bewegt, schreiben kann, ohne zu belehren, ohne fertige Antworten anzubieten, sondern um den Prozess selbst sichtbar zu machen; und genau das ist es, was den Blog zu einem Resonanzraum macht: Er ist nicht der Ersatz für ein Berufsleben, nicht ein Projekt zur Selbstvermarktung, sondern ein offener Ort, an dem Gedanken aufscheinen dürfen, Beobachtungen Gestalt annehmen, Fragen wiederholt werden können, und in dem die eigene Stimme langsam, mitunter zaghaft, hörbar wird.
In der täglichen Arbeit an diesem Blog bemerke ich immer wieder, wie schwer es ist, die eigene Stimme zu finden – wie man den eigenen Takt, die eigene Form, die eigene Art zu denken erst entdecken muss –, und gleichzeitig spüre ich die besondere Kraft dieses Raums: Er erlaubt, sich selbst beim Denken zuzusehen, Worte auf den Weg zu schicken, die vielleicht irgendwann Resonanz erzeugen, und dabei die stille, aber sehr reale Erfahrung zu machen, dass man wieder sichtbar wird – nicht durch Arbeit, nicht durch Leistung, sondern durch das Nachdenken, Beobachten, Schreiben, Reflektieren, und dass dies selbst eine Form von Wirksamkeit ist, die weder laut noch eindeutig sein muss, sondern leise, langsam und doch spürbar in einem selbst und vielleicht auch in der Welt.
So bleibt die grundlegende Frage, die sich durch meine Arbeit an Neugierig weiter zieht, offen: Was geschieht, wenn ein alter Resonanzraum verschwindet, und wie kann man einen neuen finden oder schaffen? Für mich ist die Antwort, zumindest in Teilen, der Blog selbst: ein offener, wachsender Raum, in dem die eigene Stimme, auch wenn sie noch jung und unsicher ist, wieder Gestalt annimmt, und in dem sich nach und nach zeigt, dass man nach dem Ende eines Berufslebens nicht nur nach einer neuen Beschäftigung sucht, sondern nach dem Ort, an dem das Eigene wieder auftauchen darf, sichtbar wird und vielleicht irgendwann auf leise, unerwartete Weise auf die Welt antwortet.





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