Hoffnung und Sinn

Drittes Lebensalter

„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – egal, wie es ausgeht.“

Dieser Satz von Václav Havel blieb mir hängen, vermutlich weil er etwas beschreibt, das zunächst selbstverständlich klingt und bei näherem Nachdenken doch eine kleine Verschiebung enthält. Denn normalerweise verbinden wir Hoffnung eher mit einem guten Ausgang. Wir hoffen, dass etwas gelingt, dass sich etwas verbessert, dass Schwierigkeiten vorbeigehen oder Entscheidungen sich als richtig erweisen.

Hoffnung scheint oft stillschweigend an Erwartungen gekoppelt zu sein.

Vielleicht liegt gerade darin die Irritation dieses Satzes. Havel löst Hoffnung vom Ergebnis und verbindet sie stattdessen mit Sinn.

Das wirkt zunächst beinahe ungewohnt, denn wir sind daran gewöhnt, den Wert von Dingen im Rückblick zu beurteilen. War etwas erfolgreich? Hat es funktioniert? Hat es sich gelohnt? War die Entscheidung richtig?

Viele Bereiche des Lebens folgen genau dieser Logik. Im Berufsleben besonders. Dort entstehen Ziele, Projekte und Vorhaben meist mit einer recht klaren Vorstellung davon, was am Ende herauskommen soll. Und wenn das Ergebnis stimmt, fühlt sich vieles automatisch sinnvoll an.

Aber vielleicht funktioniert nicht alles im Leben nach diesem Muster.

Gerade in Lebensphasen, in denen vieles offener wird, scheint die Frage nach dem Ergebnis plötzlich schwieriger zu beantworten zu sein. Wer sich auf neue Wege einlässt, neue Interessen entwickelt oder beginnt, etwas völlig anderes auszuprobieren, bewegt sich oft in einem Raum, in dem es keine Garantien gibt.

Ich merke das selbst gerade an diesem Blog.

Ich weiß nicht, wohin diese Reise führt. Vielleicht entstehen daraus Gespräche. Vielleicht finden sich Menschen wieder in den Gedanken, die hier auftauchen. Vielleicht bleibt manches auch einfach nur ein Gespräch mit mir selbst.

Ich kann das nicht wissen.

Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr erscheint mir diese Unsicherheit gar nicht als eigentliche Frage.

Denn unabhängig davon, was daraus wird, hat dieses Schreiben bereits etwas verändert. Es hilft mir dabei, Gedanken zu sortieren, Zusammenhänge zu erkennen und Fragen nachzugehen, die sonst vielleicht nur als diffuses Gefühl im Hintergrund geblieben wären.

Vielleicht liegt genau dort der Unterschied zwischen Hoffnung und Erwartung.

Erwartung schaut auf das Ende und fragt: Was wird dabei herauskommen?

Hoffnung schaut vielleicht eher auf den Weg und fragt: Hat das, was ich gerade tue, für mich Bedeutung?

Und vielleicht genügt das manchmal bereits.

Über die Autorin

Silke Hupka interessiert sich seit vielen Jahren für die Schnittstellen zwischen Mensch, Lernen und Denken. In Neugierig weiter sammelt sie Gedanken, Fragen und Beobachtungen über eine Lebensphase, in der Termine weniger werden – die Neugier aber nicht. Neugierig, mehr über die Autorin zu erfahren? Hier, bitte!

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Wenn Ihnen beim Lesen ein Gedanke gekommen ist oder Sie etwas wiedererkannt haben, freue ich mich darüber. Nicht auf schnelle Antworten – eher auf Gedanken, Erfahrungen oder Fragen.

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Der Beruf geht. Das Hirn bleibt.

Irgendwann endet das Berufsleben.

Termine verschwinden aus dem Kalender. Projekte werden abgeschlossen. E-Mails bleiben aus. Niemand wartet mehr auf Entscheidungen, Konzepte oder Lösungen.

Man könnte meinen, jetzt würde Ruhe einkehren.

Aber manche Dinge halten sich nicht an Zeitpläne.

Das Hirn zum Beispiel.

Es stellt weiterhin Fragen. Verknüpft Gedanken. Beginnt beim Frühstück mit einer kleinen Beobachtung und landet Stunden später bei einem völlig anderen Thema. Es sucht Zusammenhänge, verliert sich in Ideen, entdeckt neue Interessen und beschäftigt sich mit Dingen, die vielleicht nie einen praktischen Nutzen haben werden.

Dieses Blog ist für Menschen, die feststellen, dass mit dem Ruhestand zwar ein Beruf endet – aber nicht die Neugier.

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Nur Gedanken, die mir zu schade waren, um sie im Kopf zu behalten.