
Viele Jahre meines Lebens war ich davon überzeugt, dass die meisten wichtigen Dinge das Ergebnis guter Planung sind.
Wer ein Ziel erreichen möchte, entwickelt eine Strategie. Wer etwas lernen möchte, erstellt einen Lernplan. Wer ein Projekt verwirklichen möchte, definiert die notwendigen Schritte und arbeitet sie der Reihe nach ab.
Diese Haltung hat durchaus ihre Berechtigung. Ohne Planung hätte ich viele Dinge in meinem Leben vermutlich nie umgesetzt.
Und doch fällt mir auf, dass einige der wichtigsten Erfahrungen meines Lebens einem völlig anderen Muster folgten.
Sie waren nicht planbar.
Niemand plant den Moment, in dem ein Buch plötzlich mehr wird als bedrucktes Papier und einen Gedanken freilegt, von dem man nicht einmal wusste, dass man ihn gesucht hat. Niemand kann vorhersagen, welches Gespräch einen noch Jahre später beschäftigen wird. Niemand weiß im Voraus, welche Begegnung, welches Musikstück oder welcher Gedanke etwas in Bewegung setzen wird, das weit über den ursprünglichen Anlass hinausreicht.
Gerade deshalb gefällt mir Hartmut Rosas Gedanke, dass Resonanz nicht hergestellt werden kann.
Man kann Bedingungen schaffen, unter denen Resonanz wahrscheinlicher wird.
Mehr nicht.
Das erscheint zunächst beinahe enttäuschend. Wir leben schließlich in einer Kultur, die davon ausgeht, dass sich für fast jedes Problem eine Methode finden lässt. Wenn etwas fehlt, suchen wir nach einer Technik. Wenn etwas nicht funktioniert, suchen wir nach einer Optimierung.
Doch Resonanz folgt offenbar anderen Regeln.
Man kann beschließen, einen Sprachkurs zu besuchen. Man kann sich für einen Chor anmelden. Man kann reisen, ein Instrument lernen, ein Ehrenamt übernehmen oder einen Blog gründen.
Aber man kann nicht beschließen, dass daraus Resonanz entstehen wird.
Vielleicht erklärt das, warum manche Aktivitäten, die auf dem Papier hervorragend aussehen, erstaunlich leer bleiben. Sie erfüllen alle objektiven Kriterien eines sinnvollen Hobbys, einer bereichernden Tätigkeit oder einer guten Idee, und dennoch springt kein Funke über.
Andere Dinge dagegen überraschen uns.
Ein zufälliger Artikel führt zu einer Frage, die uns wochenlang beschäftigt. Ein Gespräch entwickelt eine unerwartete Tiefe. Ein Projekt, das ursprünglich nur als Experiment gedacht war, wächst plötzlich zu etwas heran, das uns nicht mehr loslässt.
Im Rückblick erscheint vieles davon beinahe selbstverständlich.
Während es geschieht, ist es völlig unvorhersehbar.
Vielleicht liegt genau darin die eigentümliche Schönheit der Resonanz.
Sie entzieht sich unserem Wunsch nach Kontrolle.
Man kann sie nicht produzieren.
Man kann sie nicht bestellen.
Man kann sie nicht erzwingen.
Man kann ihr lediglich begegnen.
Je älter ich werde, desto sympathischer wird mir dieser Gedanke.
Vielleicht muss ich gar nicht wissen, welche meiner heutigen Interessen in einigen Jahren noch wichtig sein werden. Vielleicht muss ich nicht einmal wissen, welche Projekte erfolgreich sein werden und welche im Sand verlaufen.
Vielleicht genügt es, aufmerksam zu bleiben.
Neue Wege auszuprobieren.
Fragen nachzugehen.
Gedanken zu verfolgen.
Denn wenn Resonanz tatsächlich nicht planbar ist, dann besteht die eigentliche Aufgabe möglicherweise nicht darin, sie zu finden.
Sondern darin, sich dort aufzuhalten, wo sie uns finden kann.
Das klingt weniger effizient als ein Fünfjahresplan.
Aber vielleicht näher am wirklichen Leben.
Denn die meisten Dinge, die uns nachhaltig verändert haben, standen selten auf einer To-do-Liste.




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